"Bildung"- gezielter Egozentrismus -unser Sarg

Abi

"Bildung"- gezielter Egozentrismus -unser Sarg

Beitrag von Abi »

Bildung ist für kein Problem die Lösung

Ausnahmslos alle sind sich einig: Bildung ist gut, Bildung ist wichtig. Es ist eigentlich egal, worum es geht, wenn man nicht mehr weiterweiß, wird Bildung als Zauberformel und Allheilmittel, als Lückenfüller oder als Totschlagargument ins Spiel gebracht. Bildung ist ein Mythos, ein kaum bestimmbarer Begriff, den man über jedes gesellschaftliche Problem stülpen kann. Aber: Ich habe noch kein Problem ausfindig gemacht, das sich mit Bildung lösen lässt. Klimawandel? Je höher der Bildungsabschluss und je ausgeprägter das Umweltbewusstsein eines Menschen, desto größer sein ökologischer Fußabdruck. Andere gesellschaftliche Großbaustellen, etwa Digitalisierung und globale Migration, haben mit Bildung ebenso wenig zu tun. Und Kriminalität? Nun, wir wissen, dass die gefährliche Kriminalität in »systemrelevanten« Bereichen von Menschen ausgeübt wird, die ziemlich gut gebildet sind – mit sinkendem Bildungsgrad sinkt meist auch das Gefahrenpotenzial. Ähnliches gilt für Populisten – das Problem sind die Gebildeten und nicht die Ungebildeten. Regelmäßig weisen populistische Fraktionen in unseren Parlamenten eine besondere Konzentration von akademischen Titeln auf.

In aller Regel wird angenommen, dass Bildung der Schlüssel zur Bekämpfung sozialer Ungleichheit sei. Und tatsächlich ist Bildung ein zentrales Medium für Teilhabe. Dies gilt für ein humankapitalistisches Bildungsverständnis, bei dem der Erwerb gesellschaftlich verwertbarer Kompetenzen im Vordergrund steht, genauso wie für das humanistische, das die Persönlichkeitsbildung durch die Aneignung der Welt ins Zentrum rückt. Aber – und das wird leider regelmäßig übersehen –, unsere Gesellschaft ist durch soziale Ungleichheit geprägt, nein, sogar strukturell auf soziale Ungleichheit angewiesen. Und Bildung ist die zentrale Grundlage zur Legitimation dieser Ungleichheit. Die Institutionen, die federführend für Bildung zuständig sind, haben also einen spannungsreichen Doppelcharakter: Einerseits sollen sie Chancengleichheit und Fairness gewährleisten, wo strukturell keine gleichen Startchancen vorliegen können, weil unsere Gesellschaft sehr ungleiche Familienverhältnisse und damit auch Kindheiten produziert, andererseits legitimieren sie durch Selektion, differenzierende Laufbahnen und Zertifikate die Ungleichheit. Die Frage, genau genommen, das Problem ist: Wie soll das von einer Lehrkraft, die 50 bis 300 Kinder in einem 45-Minuten-Takt beschult, aufgelöst werden?!

Dieser Beitrag stammt aus

taz FUTURZWEI N°12


Mehr Bildung kann die Ungleichheit verschärfen

Bildungsexpansion ist eine zentrale Strategie. Immer mehr Menschen machen höhere Abschlüsse an Gymnasien und Universitäten und lernen entsprechend immer mehr und immer länger. Aber das verschärft das Problem sozialer Benachteiligung in mindestens zweierlei Hinsicht: Erstens sind die höheren Abschlüsse immer weniger wert, wodurch ein Hochschulabschluss zwar notwendiges, aber keinesfalls hinreichendes Kriterium für eine Karriere ist. Und das kann dazu führen, dass Vitamin B und teure Spezialinvestitionen (etwa Auslandsaufenthalte) immer wichtiger werden, was bedeutet, dass leistungsfremde Kriterien, die darüber hinaus – je nach Elternhaus – sehr ungleich verteilt sind, an Bedeutung gewinnen, wodurch sich die soziale Benachteiligung selbst auf hohem Bildungsniveau über die gesamte Biografie aufrechterhält. Zweitens sind die einfachen und mittleren Abschlüsse extrem entwertet worden und ermöglichen gar keine berufliche Karriere mehr.

Im Gegenteil: Selbst ein einigermaßen sicherer und respektabler Platz in der Gesellschaft ist fraglich. Man kann vielleicht noch weitergehen: Wer jetzt, wo doch die Hälfte eines Jahrgangs studiert, »nur« mit einem Hauptschulabschluss dasteht, den kann man umso legitimer unter Druck setzen, ausgrenzen, missachten. Was für Arbeiterkinder früher ein kollektives Schicksal war, kann heute – freilich für quantitativ viel weniger Menschen – als Versagen und Inkompetenz persönlich zugeschrieben werden, was eine ganz neue Qualität hat. Anders lassen sich sowohl die zunehmende Resignation in unteren Milieus als auch die erodierende Solidarität beziehungsweise die sozialpolitische Kälte kaum begreifen.
Mehr Bildung führt zum Gegenteil von Konsens

Verrückt ist auch die Vorstellung, dass ein Mehr an Bildung zu weniger hitzigen Kontroversen führen würde, vielleicht sogar zu einer einfacheren Konsensbildung. Dem läge die Vorstellung zugrunde, dass Bildung auf einen ganz konkreten, feststehenden Punkt hinführe – was im Übrigen wohl etwas mit dem theologischen Ursprung dieses sehr deutschen Begriffs zu tun hat, denn Bildung sollte den Weg zu Gott ebnen. Davon haben wir uns verabschiedet, aber noch nicht ganz von der magischen Aura des Begriffs. Es ist eigentlich ganz einfach: Bildung ermöglicht Teilhabe. Die Teilhabe von immer mehr Menschen, die immer kompetenter sind, erzeugt viele neue Kontroversen, die deshalb überfordern, weil die Gesellschaft darauf nicht eingestellt ist. Wir sollten Bildung also nicht als Lösung von Problemen sehen, sondern die Perspektive wechseln.

Bildung und Teilhabe für immer mehr Menschen erzeugt Probleme, nämlich genau die Probleme, die eine offene Gesellschaft im Werden kennzeichnen: Die fehlenden Strukturen und Prozesse, mit einer gleichwertigen Teilhabe aller überhaupt zurechtzukommen (und dabei noch nachhaltig zu sein). Hierfür muss sehr viel verändert werden. Wie bei jedem Problem müssen Entscheidungen und Handlungen erfolgen. Diese sind weder alternativlos noch beliebig. Das ist sehr komplex und anstrengend. Aber man sollte das nicht aussitzen und warten, bis alle Menschen das Abitur haben, weil dafür die Zeit fehlt und es kein bisschen helfen würde – was für alle anderen genannten Problem in gleicher Weise gilt!

Aladin El-Mafaalani, Jahrgang 1978, ist Professor für Erziehungswissenschaft an der Uni Osnabrück. In seinem Bestseller Das Integrationsparadox argumentiert er, dass zunehmende Konflikte Zeichen einer gelingenden Integration sind.
walden-mb

Re: "Bildung"- gezielter Egozentrismus -unser Sarg

Beitrag von walden-mb »

Dein Bildungs-Bashing erinnert mich dann doch zu sehr an das "Ignorance is strength" aus Orwells 1984. Bildung - sich eine Vorstellung von Dingen und Zusammenhängen machen können (und das auch zu tun) ist eine Grundessenz des Menschseins. Hier die Axt anzulegen, das war die Ideologie eines Pol-Pott oder ein Aspekt der "Kulturrevolution" in China. (und der katholischen Kirche...)

Raum für Diskussion liefert nur die Frage ob Bildung zu etwas "Normierten" und "Selektiven" gemacht wird. Im Sinne von "Wir sagen Dir was Du wissen darfst/musst - und Aspekte die uns nicht in den Kram passen - klammern wir aus". Selektion aber auch im Sinne von "Was Du wissen sollst/darfst hängt auch davon ab Wer Du bist".

Bildung ist auch eine - wenn nicht sogar DIE - Voraussetzung für angemessenes Verhalten - Also auch Widerstand, Erneuerung, Revolution.
Warum - frage ich Dich - gab es seitens der kath.Kirche keine Bibelübersetzung die Jeder verstehen hätte können? Weil es im Interesse der Herschenden lag das Volk dumm zu halten. Schliesslich (und das belegt ja auch die weitere historische Entwicklung) hätte ja selbst der bibeltreuste Religiot mit der entsprechenden Bildung erkennen können dass gerade im "realexistierenden Gottesstaat Vatikan" nicht gerade alles so abläuft wie das dieser Zimmermannssohn verzapft hat.

selbst mit diesem Zimmermannssohn an der Hand bin ich bei meinem nächsten Punkt:
Mir fällt im Moment kein einziger Revolutionär von Bedeutung an, dem man unterstellen könnte ausgesprochen unbedarf und ungebildet gewesen zu sein.

Arminius der welcher wo den Römern eins auf die Mütze gegeben hatte war gebildet, Ghandi war gebildet - Lenin und Trotzki waren gebildet - Castro war gebildet - Mao war gebildet - Ho-Chi-Minh war gebildet. Die Gründungsväter der USA waren allesamt gebildet. Luther war gebildet...

Vergleichsweise wenig Bildung erkenne ich eher bei Gestalten wie einem Hitler, Stalin, Trump. Also Leuten deren "etwas" aufgeblasenes Ego auf Macht und Meinung basiert. Meinung ist beliebig - und je ungebildeter ein Mensch - desto überzeugter bewegt er sich auf dem Feld von Meinungen. Den eigenen Meinungen - aber auch Meinungen die er in Ermangelung der Fähigkeit zu hinterfragen kurzerhand einfach von Anderen übernimmt.
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Re: "Bildung"- gezielter Egozentrismus -unser Sarg

Beitrag von admin »

Dein Bildungs-Bashing erinnert mich dann doch zu sehr an das "Ignorance is strength" aus Orwells 1984. Bildung - sich eine Vorstellung von Dingen und Zusammenhängen machen können (und das auch zu tun) ist eine Grundessenz des Menschseins. Hier die Axt anzulegen, das war die Ideologie eines Pol-Pott oder ein Aspekt der "Kulturrevolution" in China. (und der katholischen Kirche...)


o o aber danke für deine bemerkungen und doch hier und da möchte ich jedoch widersprechen
der aufsatz warnich tvon mir aber hat zugegebener Weise ein bisschen was von meiner denke trotzdem . Erstmal geht es mir nicht um bildung an sich, sondern um die SCHULISCH vermittelte scheisszwangs- "bildung" zu einem bestimmten zweck, nämlich ua. den kapitalismus zu erhalten und auszubauen, wie du ja weiter unten auch andeutest. Aus dieser ecke kommen dann eben auch die POL potts , Hitlers usw. Also keine sorge, ich werde auf grund meiner dummheit oder meiner schulisch anerzogenen oder meiner autodidaktischen BILDUNG zu einem POL POT oder sonst was.


Raum für Diskussion liefert nur die Frage ob Bildung zu etwas "Normierten" und "Selektiven" gemacht wird. Im Sinne von "Wir sagen Dir was Du wissen darfst/musst - und Aspekte die uns nicht in den Kram passen - klammern wir aus". Selektion aber auch im Sinne von "Was Du wissen sollst/darfst hängt auch davon ab Wer Du bist".

nun sag mir noch bitte, mit welcher art von BILDUNG sich diese selektion und normierung deiner meinung nach verhindern liesse


Bildung ist auch eine - wenn nicht sogar DIE - Voraussetzung für angemessenes Verhalten - Also auch Widerstand, Erneuerung, Revolution.


ich finde das wort ist schon viel zu sehr abgegriffen von denen, die es mistbrauchen. Deshalb benutze ich es nicht.
Dnd was "angemessenes verhahahalten" ist, WER bitte bestimmt da bitteschön? Die ungebildeten doch wohl nicht. aber: muss es dann stimmen so wie die GEBILDETEN es definieren?


Warum - frage ich Dich - gab es seitens der kath.Kirche keine Bibelübersetzung die Jeder verstehen hätte können? Weil es im Interesse der Herrschenden lag das Volk dumm zu halten.

das haben sie mit ihrer BILDUNG gut hingekriegt oder?

Schliesslich (und das belegt ja auch die weitere historische Entwicklung) hätte ja selbst der bibeltreuste Religiot mit der entsprechenden Bildung erkennen können dass gerade im "realexistierenden Gottesstaat Vatikan" nicht gerade alles so abläuft wie das dieser Zimmermannssohn verzapft hat.

[spalte-r]ich hab trotzdem nicht ganz klar was kommt nach dem tod.
und schiss hab ich auch, Obwohl ich eigentlich recht gebildet zu sein scheine angeblich[/spalte-r]


selbst mit diesem Zimmermannssohn an der Hand bin ich bei meinem nächsten Punkt:
Mir fällt im Moment kein einziger Revolutionär von Bedeutung an, dem man unterstellen könnte ausgesprochen unbedarft und ungebildet gewesen zu sein.


doch ich, allerdings einer ohne bedeutung:(


Arminius der welcher wo den Römern eins auf die Mütze gegeben hatte war gebildet, Ghandi war gebildet - Lenin und Trotzki waren gebildet - Castro war gebildet - Mao war gebildet - Ho-Chi-Minh war gebildet. Die Gründungsväter der USA waren allesamt gebildet. Luther war gebildet...


alle haben von kinderliebe und kinderrechten NULL ahnung gehabt, alle!!! also sehr sehr BEBILDETE leute, findest du nicht?


Vergleichsweise wenig Bildung erkenne ich eher bei Gestalten wie einem Hitler, Stalin, Trump. Also Leuten deren "etwas" aufgeblasenes Ego auf Macht und Meinung basiert. Meinung ist beliebig - und je ungebildeter ein Mensch - desto überzeugter bewegt er sich auf dem Feld von Meinungen. Den eigenen Meinungen - aber auch Meinungen die er in Ermangelung der Fähigkeit zu hinterfragen kurzerhand einfach von Anderen übernimmt.

das passiert ständig, schon wenn die leerer den kindern reindrücken, was sie zu übernehmen haben und dann prüfungen danach ausrichten, ob sie es intus haben. Die leute , die du aufzählst, haben sicher einige schulen durchlaufen, In denen wird nicht nur stupides wissen BILDUNG genannt, sondern sie beinhalten auch das erlernen von tricks, wie man andere platt machen kann. mit und ohne BILDUNG. wir sind längst definitions - enteignet, der bildungsbegriff ist längst nicht mehr in unseren händen

lg
Ealden-MB

Re: "Bildung"- gezielter Egozentrismus -unser Sarg

Beitrag von Ealden-MB »

Bildung begründet Kompetenz. Etwas können heisst nicht es auch tun zu müssen. (Im Positiven wie im Negativen)
Die Bedeutung liegt also darin eine (freie, eigene) Wahl zu haben und nicht nur glauben oder meinen zu können.

Deine Argumentation zur Bildung erinnert mich etwas an die Haltung des Mainstreams zum Thema Kind und Sexualität.
"Je weniger das Kind über Sex weis - desto weniger ist es in der Lage seine Gefühle als Sexualität zu begreifen - und folglich auch Sex zu wollen. Deshalb verbieten wir einfach Alles, das zu einschlägigen Erfahrungen oder Wissen beitragen könnte...- und erklären dann: seht Ihr so schön unschuldig ist das Kind!"


danke, liebe schule - für die Vermittlung.
Jetzt habe ich endlich die "freie wahl",
etwas unfreies tun zu können

was heisst das auf verstehlich? "Bildung begründet Kompetenz?" etwas können" muss doch nicht "kompetenz" sein. Schon wieder so ein begriff, den ich als dummkopf nicht verstehe. Muss wohl etwas acker-dämliches sein. Aber: etwas tun "können" heisst auch es tatsächlich zu tun. wohin du auch schaust. Erst bringt man den leuten etwas bei, tun zu können und dann tun sie es auch. Die liste der diktatoren wird lang und länger. Auf den filipinen soll den korona eingesperrten schon angedroht worden sein, dass sie erschossen werden, wenn sie das haus verlassen. Wer masst sich hier an , von einem "ungebildeten" diktator zu sprechen? Manchmal werden solche leute tatsächlich als "gebildet" bezeichnet. Ja hinterfodzig "schlau" sind sie allemale. Bildung heuzutage ist kein garant für nicht missbrauchliche umsetzung. Fehlt nur noch ein dummi", der sich anmasst, zu definieren, was gutes tun (umsetzen, was man "kann") sei und was nicht.Ohne die "bildungsinhalte" als voraussetzung dafür, sie zum töten anzuwenden, wäre das jedenfalls nicht passiert
Walden-MB

Re: "Bildung"- gezielter Egozentrismus -unser Sarg

Beitrag von Walden-MB »

Ich denke Du tust der Bildung unrecht wenn Du sie mit dem gleichsetzt was die Bildung nennen, denen es um Manipulation und Indoktrination geht.
Nicht der Begriff ist das Problem - sondern dessen Missbrauch.


ich bin nicht so gebildet, dass ich unterscheiden könnte,
wer die BIldung zur manipulation und indoktrination einsetzt
und wer (angeblich) nicht
Antworten

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