Hexenjagden vermeiden

Hexenjagden vermeiden

Beitragvon Josef Haslinger » So 9. Feb 2014, 11:52

Nachdem ich neulich im Zuge der Missbrauchsdiskussionen im österreichischen Fernsehen über meine Klostererlebnisse berichtet hatte, bekam ich eine E-Mail, in der mir eine Frau erzählte, ein Verwandter von ihr, ein Lehrer, habe sich gerade umgebracht. Er war (zu Recht) beschuldigt worden, einen Schüler unsittlich berührt zu haben.

Passen wir bloß auf, dass wir jetzt keine Hexenjagd inszenieren. Die Kinder sind zu schützen, keine Frage. Und die Opfer haben ein Recht, gehört zu werden. Aber was machen wir mit den Tätern? Es hat einen guten Sinn, dass es im Gesetz Verjährungsfristen gibt. Dafür hat es einmal ein Rechtsempfinden gegeben. Das Hauptaugenmerk kann doch nicht Tätern gelten, deren Straftaten verjährt sind. Alle Menschen sollen eine Chance haben zu lernen, wie man mit seinen Verhaltensweisen innerhalb des gesetzlichen Rahmens bleiben kann.


Und wenn sie es gelernt haben, dann haben sie sich mehr angestrengt als so mancher, der jetzt den moralisch Entrüsteten spielt, obwohl er die Fallen einer solchen Neigung nicht einmal ansatzweise kennt.


Das Hauptbestreben der derzeitigen Thematisierung von Pädophilie und Pädosexualität muss es sein, heutige Fälle aufzudecken und künftige zu verhindern. Die Aufarbeitung der Geschichte ist für die Opfer von Bedeutung. Sie haben einen uneingeschränkten Anspruch darauf. Aber die Gesellschaft? Immerhin wird der Intimbereich von Menschen berührt. Von Opfern und von Tätern. Egal wie er beschaffen ist, er steht unter dem Schutz unserer gesellschaftlichen Verfassung. Ich will diese Leute nicht am Pranger vorgeführt bekommen.

Am besten schützt man die Kinder, indem man den Pädophilen hilft, mit ihrer gesellschaftlich nicht gut integrierbaren Neigung auf eine Weise zurande zu kommen, die nicht das Strafgesetz berührt. Aber die derzeitige Kriminalisierungskampagne geht in eine ganz andere Richtung und ist damit nicht hilfreich. Es muss doch möglich sein, einem Menschen, der es offensichtlich nicht aus eigener Kraft schafft, sein Verhalten in den Griff zu bekommen, eine Form von Hilfe anzubieten, die ihm nicht gleich die Menschenrechte abspricht.

Medienaufgeregte Politiker überschlagen sich mit Vorschlägen, wie man das Strafrecht verschärfen und Verjährungsfristen aufheben könnte. Wenn wir Pädophile mit Kinderschändern und Sexualattentätern gleichsetzen, haben wir zwar ein größeres Medienspektakel, aber es geht uns jeder Maßstab für sinnvolle Maßnahmen verloren. In meinen juristisch ungeschulten Augen sind das unterschiedliche Paragraphen.



http://www.welt.de/welt_print/kultur/li ... njagd.html
Josef Haslinger
 

Re: Hexenjagden vermeiden

Beitragvon Urlrike » So 9. Feb 2014, 12:34

Nomen est Omen

Eine Kritik an herrn haslingers beitrag findet sich hier.

http://www.welt.de/debatte/article67874 ... teher.html

anmerkung:

widerlich, ekelerregend und iatrokratisch, wie eh und je.mehr können diese typen offensichtlichj nicht. Der artikel von gerhard amendt - augenscheinlich geistig verwandt und verschwägert mit seinem namensvetter günther amendt
strotzt nur so von psychologischen und psychiatrischen kategorien, mit denen er versucht, den beitrag von herrn hasslinger zu entwerten. amendts beitrag zeigt aus meiner sicht, wie man zu hexenjagten aufrufen kann, ohne dazu direkt aufzurufen. denn er demontiert ja auch den apell von herrn haslinger KEINE hexenjagten zu veranstalten und den leuten, die sich raus gearbeitet haben aus einem gewissen sumpf eine neue chance und evtl. sogar unterstützung zu geben. ich frage mich, in wieweit herr amendt selber eine identifikation mit dem agressor betreibt und hier auch demonstriert, wobei hier etliche gesetze des staates gemeint sind, die ihm hier offenbar die energien für seine bräunlich iatrokratische großschlauzigkeit verleihen
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